Der Evangelist Johannes berichtet: Jesus Christus hat ein unheimliches Wunder getan: Er hat einen Menschen von den Toten auferweckt (Johannes 11).

Als die Gegner Jesu von Informanten hörten,
dass er ein solches Werk getan habe,
glaubten sie ihnen, dass er es getan hat.
Aber sie nahmen das Wunder zum Anlass,
brutal Jesu Beseitigung zu planen.

Sie hatten Angst vor den Herrschern.
Die Angst vor den Mächtigen war größer,
als der Versuch, die Tat zu begreifen.
Sie hatten Angst vor Machtverlust.
Die Angst vor dem Machtverlust war größer,
als das Anerkennen von Jesus, dem Christus.

Jesus Christus hat einen Menschen vom Tod ins Leben geholt.
Das war Anlass der Gegner, Christus aus dem Leben in den Tod zu hämmern,
berichtet uns der Evangelist Johannes.

Doch haben sie in all ihrer Klugheit nicht mit Gottes Liebe gerechnet.

*

Ein Glaube, der meint,
Gott und die Welt erklären zu können,
ist langweilig.
Langweilig, wie ein Roman,
der eigenen Bildern und Erfahrungen keinen Raum lässt.

Ein Glaube,
der Gott auf ein leicht verständliches Irgendwas reduziert,
ist langweilig und falsch.
Langweilig und falsch, wie ein Mensch,
der meint, einen geliebten Menschen, das Geheimnis,
mit einem Satz leicht und locker charakterisieren zu können.

Ein Glaube, der meint,
er durchschaue sich selbst,
leicht erklärbar,
ohne Staunen,
ohne Fragen,
ohne Rätsel,
ohne Spannung –
was ist das?
Was – ist das?

*

Abraham hatte seine Ecken und Kanten.
Jakob hatte seine Ecken und Kanten.
David war zum Teil unausstehlich.
Die Propheten – wer kann sie schon ganz verstehen?
Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Amos – sonderbar, sonderbar.
Die Psalmsänger wurden liebevoll entstachelt.
Und dann kommt Jesus Christus.

Und dann kommt Jesus Christus.
Was haben wir vielfach aus ihm gemacht?
Einen – keiner leichtgängiger als er:
Kantenlos, breiig, freundlich lächelnd redselig.
In den Evangelien wehrt er sich heftig dagegen,
durch Wunder, unverständliche Worte, Leiden und Kreuzestod.
Wer versteht? Wir schütteln den Kopf. Gehen weiter.

Und dann kommt Jesus Christus.
Dann kommt Jesus Christus in das Leben.
In das Leiden. In die Depression. In den Krieg. In die Sorgen.
Wir fragen den im dunklen Leben Unerwarteten,
wir staunen den kantenlosen Nichtssagenden an:
Was machst Du denn hier? Wirklich, Du hier?
Und dann kommt Jesus Christus. Er sagt: Ja. Ich bei Dir.

*

Überall wo Christen
Christus verraten, ist finsterste Nacht:

Mafia – finsterste Nacht.
Kriege – finsterste Nacht.
Sklaverei – finsterste Nacht. 
Ausbeutung – finsterste Nacht.
Nationalismus – finsterste Nacht.
Kommunismus – finsterste Nacht.
Nationalsozialismus – finsterste Nacht.
Missbrauchte Religion – finsterste Nacht.
Lüge, Propaganda, Betrug – finsterste Nacht.

Die Schöpfung Gottes wird missachtet.
Christus wird verraten.
Menschen werden allein gelassen.
Christus wird verraten.
Menschen werden erniedrigt.
Christus wird verraten. 
Menschen wird die frohe Botschaft vorenthalten.
Christus wird verraten.

Durch uns?

Christus wird verraten.
Aber er lässt sich nicht unterkriegen.
Er führt den Tag herbei.
Bis dahin:
In all den finstersten Nächten
kleine mutige Lichter.
Amen.