28.01.2024

  1. Groß-Werdung

Indem Gott sich klein gemacht hat,
hat er uns Menschen groß gemacht.
Gott sei Dank.

Manche meinen nun, weil sie groß sind,
sie könnten Gott in ihrer Größe ersetzen.
Darüber wundern wir uns.

Durch arrogante Selbstüberschätzung
werden sie wieder ganz, ganz klein.
Darüber klagen wir.

Indem Gott sich klein gemacht hat,
hat er uns Menschen groß gemacht.
Gott sei Dank.

Als die Engel verschwunden waren,
die den Hirten den Messias verkündeten,
war der Hirten erstes Wort:
Hinübergehen,
lasst uns hinübergehen nach Bethlehem
und sehen die Verwirklichung des Wortes.
Hinübergehen –
von einem Hügel durch das Tal zum anderen Hügel.
Hinübergehen –
von der alten Zeit hinein in die neue Zeit Gottes.
Hinübergehen –
von der Zeit der Sehnsucht in die Zeit der Erfüllung.
Hinübergehen –
von dem zu beklagenden Einerlei zur lichten Freude.
Hinübergehen –

3. Gott – Götze

Wie kann man Gott entfliehen?
Indem man ihn zum Götzen macht
an einem Kreuzkettchen
um den Hals des Kriminellen.
Nicht um den Hals der Glaubenden:
Da ist es gut, Bekenntnis zu Gott, nicht magische Macht,
Bekenntnis zu Gottes Liebe durch Tod und Auferweckung.
*
Der Kampf der Götzen gegen Gott,
eingespannt: der Liebhaber der Götzen gegen Gott.
Menschlichkeit geht verloren und Vernunft,
auch Warten auf Gott, die Sehnsucht und Hoffnung.
Erstarrt in sich selbst, verkrümmt im Trug der Menge.
Kampf gegen die Bekennenden, mit höhnischer Macht:
gegen Bekennende der Liebe Gottes durch Leben und Sterben.
*
Götzendiener
zerreißen verhöhnend,
zertreten, vernichten
die Unschuld,
das Wehrlose,
das Salz der Erde,
das Licht der Welt,
das Kind Gottes,
geliebt von Gott zum Leben.

3. Frühling

Jesus Christus vermag uns,
die wir im Winter zittern,
wie lichte Frühlingsluft umwehen:
Knospen schwellen,
Gräser sprießen,
Vögel singen,
Sehnsucht schwingt, vibriert,
Erwartung von Leben,
Erwartung von Frucht.

4. Komm

Gott ist groß –
der Mensch ist größer.

Er versucht sich gegen Gott
zu behaupten.

Gott ist klein
der Mensch macht sich kleiner.

Er versucht sich gegen Gott
zu negieren.

Gott lädt ein: Komm!
Mensch, bleib Mensch!

5. Kirche

Der Kampf gegen die Kirchen von Außen –
er stärkt sie.
Der innerkirchliche Kampf, angesteckt von Außen –
er schwächt sie.

Kirchen müssen zu ihrem Versagen stehen.
Aber sie dürfen sich nicht zu Sklaven derer machen,
die ihr vorschreiben wollen,
wie sie mit ihrem Versagen umgehen müssen.

Christus ist ihr Herr.
Er greift ein, korrigiert,
auch mit Hilfe Außenstehender.

Christus ist ihr Herr.
Nicht Außenstehende sind es.
Nicht Innenkirchliche sind es.

Gott rief die fremden Babylonier,
um sein Volk zur Raison zu bringen – so die Propheten.
Aber die Außenstehenden anerkannten keine von Gott gesetzten Grenzen.
Sie unterdrückten und misshandelten das Volk.

Gott ist der Herr seiner Kirche.
Sie ist nicht Sklavin Außenstehender.
Sie dient in Freiheit, sie dient selbst verantwortlich.
Sie ist Gottes Botin für Mensch und Schöpfung.

6. Bitte und Verpflichtung

Der Glaube von Christen
wird bestimmt vom Gebet
damit verbunden:
Änderung des Herzens
und Verpflichtung.

Bitte um Frieden –
und Einsatz für umfassenden Frieden.
Bitte um Freiheit –
und Eintreten für Freiheit auf allen Ebenen.
Bitte um Sieg der Menschenrechte –
Menschenrechte – auch der Ungeborenen – fördern.
Bitte um Gemeinschaft –
gegen Zwietracht angehen, Gemeinschaft gestalten.
Bitte um Gerechtigkeit –
Unrecht beim Namen nennen, damit Gerechtigkeit wachse.
Bitte um eine gute Zukunft –
falsch gestellte Weichen erkennen und umstellen.

Der Glaube von Christen
wird bestimmt vom Gebet
damit verbunden:
Änderung des Herzens
und Verpflichtung.

7. Epiphanias

Epiphanias – Erscheinung.
Das Jesus-Kind wird als Besonderheit offenbart:
Drei Weise, also drei Wissenschaftler, so der Text,
bezeugen die Besonderheit dieses Kindes.

Dieses Kind setzt nicht allein Menschen in Bewegung.
Die ganze Natur, das Universum wird in Bewegung gesetzt.
Selbst Traum-Engel sind beteiligt, die Prophezeiungen zu erfüllen.
Menschen schenken, was ihnen wichtig scheint: Gold, Weihrauch, Myrrhe.

Die Bosheit anderer Menschen wird geweckt.
Die Machtbesessenheit, die Blutrünstigkeit, hinterlistige NetzeSpanner.
Gott in der Welt wird bekämpft, Unschuldige müssen leiden.
Auf das GottesKind, das Liebe und Freiheit lebt, konzentriert sich der Hass.

Mit diesem Hass bezeugen auch Hasser: Es ist Gottes Kind.
Es macht Hasser klein, Mächtige werden nichtig, Gewalt plustert sich nur auf.
Gott unterläuft: blinden Hass, grausame Macht, blutige Gewalt.
Gott unterläuft sie mit diesem Kind, dem gekreuzigten Erwachsenen: Jesus Christus.

8. Kirche

Kirche folgt nicht linker Ideologie.
Kirche folgt nicht rechter Ideologie.
Kirche folgt nicht irgendeiner Parteienfarbe.
Kirche folgt: Jesus Christus.

Darum ist sie an menschlichen Maßstäben gemessen:
manchmal links, manchmal rechts,
manchmal unterschiedlich gefärbt,
manchmal für manche inakzeptabel, zu bekämpfen.

Das zu verstehen, fällt manchen furchtbar schwer:
und sie werden rot, braun, schwarz, blau, gelb, grün, Regenbogen.
Die Farben werden wichtiger als die Nachfolge.
Das Gebet kann nur lauten: Gott, mach uns farbenblind.

9. Stern von Bethlehem

Matthäus, der alte immer junge Evangelist,
berichtet in froher Botschaft von drei Weisen,
sie sahen den Stern, sie folgten ihm.

Sahen ihn nur drei?
Nur drei folgten ihm.
Auf weitem Weg folgten sie ihm.

Ihn sahen auch Gegner.
Sie forschten nach.
Sie folgten ihm nicht.

Wer von uns sieht den Stern Gottes?
Wer sieht und folgt ihm?
Wer sieht und folgt nicht?

Wir brauchen kein Licht am Ende der Nacht.
Das Licht Gottes leuchtet in der Nacht.
Leuchtet und leitet hin zu Gott.

10. Bergen

Wir begraben das Wort Gottes täglich:
in unseren Ablenkungen,
in unserem Ärger und Sorgen,
in unserem Streben und Kämpfen,
in unseren Schmerzen und Nöten.
Wir begraben das Wort Gottes täglich.

Wir bergen das Wort Gottes täglich:
aus unseren Ablenkungen,
aus unserem Ärger und Sorgen,
aus unserem Streben und Kämpfen
aus unseren Schmerzen und Nöten.
Wir bergen das Wort Gottes täglich.

11. Freie Menschen

Freie Menschen
lassen sich nicht
vom politischen Gegner
die Waffen diktieren.

Von daher:

Mut statt Mitläufertum,
Freude statt Verbiesterung,
Gelassenheit statt Hysterie,
Wahrheit statt Diffamierung,
Wachheit statt Hypnotisierung,
Menschlichkeit statt Erniedrigung,
offene Gesichter statt Hass-Mienen,
statt Zukunftsängste: Zukunftsarbeit.

12. Verführung

Kein Antidemokrat wird sagen:
Ich bin Antidemokrat;
kein Totalitärer wird sagen:
Ich bin totalitär;
kein Freiheit-Bekämpfer wird sagen:
Ich bekämpfe die Freiheit;
kein Respektloser wird sagen:
Ich bin respektlos;
kein Menschenfeind wird sagen:
Ich bin ein Feind der Menschen;
keiner, der Medien missbraucht wird sagen:
Ich missbrauche die Medien.
Kein Verführer wird sagen:
Ich verführe Euch;
kein Bösartiger wird sagen:
Ich bin bösartig.
Alle werden sie grinsen –
und dich schmeichelnd
und freundlich umwerben.

13. Mensch bleibt Mensch

Der Mensch bleibt Mensch –
auch der Mensch der jeweiligen Moderne.
Der Mensch bleibt Mensch –
was er sich auch immer an Technik ausdenkt.
Der Mensch bleibt Mensch –
trotz seiner Ideologien, Philosophien, Religionen.
Der Mensch bleibt Mensch –
darum bleibt der Glaube und ergreift der Glaube.
Der Mensch bleibt Mensch –
und Gottes Wort bleibt das Wort Gottes.

14. Wort Gottes

Wir begraben das Wort Gottes täglich:
in unseren Ablenkungen,
in unserem Ärger und Sorgen,
in unserem Streben und Kämpfen,
in unseren Schmerzen und Nöten.
Wir begraben das Wort Gottes täglich.

Wir bergen das Wort Gottes täglich:
aus unseren Ablenkungen,
aus unserem Ärger und Sorgen,
aus unserem Streben und Kämpfen
aus unseren Schmerzen und Nöten.
Wir bergen das Wort Gottes täglich.