1. Sonne

Sonne pritzelt die Haut,
leichter Wind streift über Körper,
Vögel singen, tschilpen, keckern,
Insekten besummen die Luft
– und was für ein Sommerduft!
Grasrispen rauschen
ins Nickerchen hinein.

2. Blütenblätter fallen

Blütenblätter fallen,
wie Schnee wirbeln sie im Wind,
schmücken Haar und Kleid und Feld.
Ihr Werk ist getan.
Insekten wurden angelockt,
Herzen wurden erfreut,
Duft wurde verströmt.
Blütenblätter fallen.
Frucht wächst.

3. Mein – dein – SEin

Mein ist alles nur
bis es dein,
dein ist alles nur,
bis es SEin.

4. Ich bin das Maß aller Dinge

Ich bin das Maß aller Dinge.
Das ist verbreitete Einstellung,
wenn man den Tod ausklammert,
wenn man Krankheiten ausklammert,
wenn man das Schicksal ausklammert –
die kümmern sich nicht um unsre Einstellung.
Ich – das Maß meiner menschlichen Dinge
berge mich in Gott.

5. Mund-Nasenschutz-Segen (Corona 2020)

Man sieht kaum Lächeln.
Man sieht kaum Ärgernis.
Man sieht kaum Traurigkeit.
Man sieht kaum Freude.

Ich sehe zwei Menschen-Augen.
Sie sehen zwei Meine-Augen.
Zwei Augen, die sie segnen.
Sieht man ihnen das an?

Augen – Farbwunder.
Augen – können sprechen.
Augen – zeigen den Menschen.
Augen – können segnen.

6. Gott unter mir

Ich mit meinem Verstand meine,
ich sei meines Lebens Herr.
Gott ist mein Herr im Wort, im Andern,
Gott ist mein Herr in Brot und Wein.
In ihnen will er mir nahe sein,
in ihnen erniedrigt er sich – unter mich,
seine Lebendigkeit sprengt meine Mauer.

7. Im Lärm der Welt

Im Lärm der Welt
singt der Glaube
ein leises Lied
und dringt in manches Ohr.

Ins schwer hörende Menschen-Ohr
wispert der Glaube
ein Wahrheitswort
und trifft so manche Seele.

8. Gebete werden nicht erhört

Gebete werden nicht erhört?
Gebete gehen ein in Gott.
Gebete sind in ihm geborgen.
Mein Gebet ist mein Gebet.
Mein Gebet bin ich.
Geborgen bin ich mit
meinem Gebet in Gott.

9. Wahrheiten

Wenn man Wahrheiten,
die vorangegangene Generationen erkannt haben,
ignoriert und bekämpft,
kommen irgendwann Zeiten,
in denen eine neue Generation sie
unter vielen Schmerzen neu erkämpft.

10. Welt und Ich – Ich und Welt

Wie entstand ein Berg?
Wie kann eine Pflanze wachsen,
blühen, duften, aussäen?
Was ist Feuer, Wasser, Luft?
Wie entstanden Sonnen, Monde, Galaxien?
Was ist mit unserer, unserer Erde?
Wer bin ich, der Mensch, der das alles wahrnimmt?
Der das alles riecht, fühlt, schmeckt, sieht, hört?
Wer bin ich, der Mensch, der darüber nachdenkt und forscht?
Warum bin ich?

11. Freude

Das Leben bietet viele Freuden.
Kleine Freuden, die den Alltag immer wieder beschwingen,
große Freuden, auf die man hinleben kann,
Freuden, die andere mir überraschend bereiten,
Freuden, die ich anderen bereite.
Freuden muss man sehen können.
Freuden muss man in sein Herz hineinlassen.
Wir können uns Freuden verschließen.
Wir können uns den Freuden, die heute auf uns zukommen, öffnen-
mit einem stillen, mit einem fröhlichen, mit lautem Dank.

13. Spuren

Meine Spuren wird die Zeit verwehen
wie das Meer verspült die Spuren im Sand.
Meine Spuren interessieren mich nicht mehr,
ich bin bei Gott im Heimatland.
Manche werden noch denken: War das nicht der oder der…?
Das war´s dann auch. Verzogen – nicht nach unbekannt.

14. Spott

Wir fügen uns dem Spott
und fliehen unsern Gott.

In Christus macht sich selbst zum Spott
unser uns erhaltende und rettende Gott.

Wir machen uns selbst zum Spott
vor unserem uns liebenden Gott.

15. Gott kennen

Wir glauben, Gott zu kennen.
Kennen heißt: Gott im Griff haben.

Weil er unbegreiflich ist,
verweigert sich Gott unserem Verstand,
verweigert sich Gott unserem Gefühl.

Beleuchtet von seinem Licht
erleben wir unsere Unzulänglichkeit.
Durchdrungen von seinem Geist
erklingt zaghaft unser Lobgesang.

Wir loben uns Gott entgegen,
der längst zu uns gekommen ist.

16. Freude

Die Freude an Gott ist unsre Stärke.
Die Freude an Christus ist unser Licht.
Die Freude am Geist ist Heiligkeit.
Ohne die Drei-in-eins geht es nicht.

17. Freiheit

Wie eine hungrige Krake
kann sich die dunkle Vernichtung
über das Schöne legen.

Das Lebenswerk gefressen
vom gierig prasselnden Feuer des Bösen.
Schwarzer Rauch – Verdauung des Feuers.

Nichts, nichtig, Vergehen, so die Botschaft.
Schwarzrußender Mehltau der Lüge.
Zerstörung.

Aber ER, der nicht Zerstörbare, die Wahrheit
bleibt in der Seele,
bis sie aufbricht in Freiheit.

18. 9-Zeilen-Predigt

Der Geist Gottes führt zur Gemeinschaft
durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Nur durch Jesus Christus unseren Herrn
führt der Geist Gottes zur Gemeinschaft.
Liebe Pfingstgemeinde,
vergesst mir nicht Jesus Christus.
Es gibt viele Geister, Menschen-Geister,
unser Geist ist der Geist des Christus Jesus.
Der Friede Christi sei mit Euch. Amen

19. Gottes Geist

Durch des Geistes Schöpfungs-Wasser Leben
Gottes Atem belebender Freiheits-Hauch
Geistes-Feuer Liebesglühn
Jesus Christus – Alldurchströmender Geist.

20. Stille und Lärm

Manche Menschen mögen Stille.
Manche Menschen mögen Lärm.
Aus der Stille keimt Gebet.
Der Lärm erbricht Aggressivität.
Aggressivität zerstört Freude und Leben.
Dem Gebet entwachsen Frieden und Segen.

21. Mensch im Werden

Wenn ein Mensch sagt: Ich bin,
dann ist er nur im winzigsten Augenblick: Ich bin – in seinem Sinn.

Ein ungeborenes Kind ist im Werden.
Ein geborenes Kind ist im Werden.
Ein Jugendlicher ist im Werden.
Ein Erwachsener ist im Werden.
Ein alter Mensch ist im Werden.

Auch sterben im Glauben ist Werden.
Werden hin zu Gott.

22. Jeder Tag ein Blatt im Buch des Lebens

Jeder Tag ist ein Blatt im Buch des Lebens.
Blättert man weiter: ein neuer Tag.
Blättert man zurück: Erinnerung.

Jeder Tag ist nicht nur ein Blatt im Buch des Lebens.
Jeder Tag ist ein Blatt im Buch der Welt.
Wann wird es fertig gelesen sein?

Fragen wir nicht.
Blättern wir weiter.
Dem Autor vertrauend.

Jesus lehrte, die letzte Seite zuerst zu lesen,
es handelt von Gottes Schalom, Gottes Herrschaft, von Vollendung,
damit man die Seiten vorher versteht,
damit man die Zeiten richtig lebt.

*

23. Bilderbuch-Abend

In der Dämmerung treffen sich Schwalben
zum spritzig wogenden Gesellschaftstanz.
Angestrahlt von der untergehenden Sonne
blitzen sie vor dunkelblauem Himmel
fischsilbern auf.

24. Sprechgesang 1: In Gott

In Gott
In Gott
In Gott
In Gott
leben
lieben
denken
handeln
In Gott
In Gott
In Gott
In Gott sei Dank.

25. Sprechgesang 2: Jesus der Christus

Jesus der Christus
Jesus der Christus
Jesus der Christus
Jesus der Christus
der Retter
der Befreier
Liebender
Wegweiser
Jesus der Christus
Jesus der Christus
Jesus der Christus
Bruder und Herr.

26. Wahrheit

Ich habe nicht die Wahrheit.
Die Wahrheit begegnet mir.
Die Wahrheit öffnet sich mir.
Die Wahrheit spricht mich an.
Mich.
Sie lädt ein: Verweile! Bleibe! Wohne!
Ich gehe ein in die Wahrheit.
Ich bin in dem, der Wahrheit ist,
weil Christ als Wahrheit in mir ist.

27. Lerche

Wie die Lerche singt,
bevor das Licht die Welt erregt,
im Dunkeln Sonn ankündigend singen,
damit die Welt sich auf Licht zubewegt.

28. Ein Vierzeilen-Gedicht erklärt – eine Geschichte in 20 Silben

Auf der Wiese liegend,
im Kräuter- und Grasduft,
Vögel zwitschern, Insekten summen,
zum blauen Himmel schauend:
Luftig leicht fliehen (es wird recht windig)
zartrosa Wölkchen (also im Abendlicht)
vor der blitzschwangren
schwarzen Wolkenwand (es kommt Abendsturm auf).
Was bedeutet das für den/die Liegenden?
Der schön erhoffte Sommerabend,
denn im Winter legt man sich nicht auf die Wiese,
enttäuschend, verängstigend ist nun anders zu verbringen.

29. Wer versteht?

ER starb am Kreuz.
Auferstand zum Leben.
Wer versteht?

Ei und Samen, Samen und Ei,
Materie, wachsendes Leben.
Wer versteht?

ER schafft aus dem Verwesten
auferstehende Herrlichkeit.
Wer versteht?

ER erweckt dankbares Staunen.
Das Hirn vom Grübeln verdreht.
Wer versteht?

Leben treibt nach vorne,
auch wenn es sichtbar vergeht.
Wer versteht?

30. Trost

Wann ist Trost Vertröstung?
Wenn er lähmt.

Was ist, wenn man ohnmächtig ist,
von der Situation gelähmt?
Trost hilft tragen, ertragen, gibt Kraft.

Wer entscheidet:
Trost ist Vertröstung,
Trost ist wahrer Trost?
Nur der getröstete Mensch.

Nur der getröstete Mensch
im Augenblick der Tröstung.
Nur der getröstete Mensch
nur er. Im Augenblick.