Gedichte 2010 (?)

(1)

Mitten beim Einkauf: Advent.

Mitten beim Staubsaugen: Advent,

beim Fahren: Advent,

am Schreibtisch: Advent.

Advent im Sommer, Advent im Nebel.

Unverhofft. ER kommt,

ist nah, ist da.

(2)

Advents-Stolpern

In Geschäften dudeln Lieder,

doch im Herzen klingt Advent.

In Geschäften liegen Waren,

doch im Herzen das Geschenk.

Auf den Straßen herrscht die Hetze,

doch im Herzen warme Ruh.

Der Mensch, ich Mensch in wirrer Eile,

doch im Herzen herrschst, Gott, DU.

(3)

Gottes Liebe ahnen wir,

sie lässt uns nicht im Stich.

Sie steht nicht nur auf dem Papier,

in Jesus Christus sucht sie dich.

(4)

Spatzengespräch im Schnee

Kleiner Federball

wie kannst du die eisigen

Winde bestehn?

Ich hab meine Federn.

Du gibst mir die Körner.

Gott schenkt mir die Wärme

und frohes Gemüt.

(5)

Der süße Duft der

Rose dringt in mich ein. Ich

möchte Rose sein.

Der strenge Geruch

gefallner Blätter herbt ein.

Ich werd Erdblatt sein.

Der Ahnungsduft des

Frühlings dringt in mich ein. Die

Höhe, Weite, Freiheit, Licht,

Leichtigkeit sind mein.

(6)

Dieser alte Mann weiß

es ist Zeit,

er wird bald vergehn.

Dieser alte Mann weiß,

er bleibt,

er wird Christus sehn.

(7)

Ich reib mir die Augen

und spritze mit den Sonnenstrahlen

hinauf auf den Ball,

zerstreue mich in tausend Glitzern,

durchstöbere staubige Ställe,

trockne Stumpfsinnsmorast –

ein kleines Kind erhascht mich

mit unwissend tappenden Händchen.

(8)

Rolläden sperren

die Nacht aus. Die Nacht kauert

im Seelenherzen.

(9)

Strahlende Sonne

verfinstert das Gesicht und

erleuchtet das Herz.

(10)

Behutsam nahmst du meine Gedanken,

entführtest sie zu dir.

Gestärkt und fröhlich kamen sie zurück.

(11)

In allen Lebenslagen

lass

dich vom Glauben tragen

In allen Lebenslagen

lass

dich vom Glauben anderer tragen.

In allen Lebenslagen,

lass – voller Aufruhr –

vom nahfernen Gott dich tragen.

(12)

Wer kann schon eine Rose beschreiben,

mit Worten? – Sie versagen,

sie tauchen ein in dem schönsten aller Rot

–  betörendem Rot;

sie versinken im tiefsten aller Düfte

– schillerndem Dufthauch;

sie verstrudeln in den Formen der Blüten

– in verwirbelter Weltenordnung.

Wer kann schon eine Rose malen,

mit einem Pinsel? – Er versagt,

er taucht ein, die Farben werden leere Phantasie,

der Duft, oh, Duft – wo bleibst du?

Form und Farben – kleines Nimmerblatt!?

Worte versagen,

sehe ich Dich,

ich versinke

verstrudle

atemlos

betört

(13)

„Oh, Gott, Unordnung

in deinem Garten. Lass mich

Ordnung schaffen!“ „Nein!“

„Oh, Gott, Rübe und

Kraut wildes Durcheinander.

Ich reiß es aus!“ „Nein!“

„Oh, Gott, du schlechter

Gärtner!“ Sei ruhig, mein Kind,

schau dir genau an:

Ich lieb das Wunder:

Aus so manchem Kraut wird noch

eine Rüb´ wie du.“

(14)

Die Hoffnung –

ein Wunder.

Das zarte Pflänzchen keimt,

wird groß und blüht,

auch ohne Nahrung,

trotz Rückschläge.

Gott vertrauen zu können –

ein Wunder Gottes.

Das zarte Pflänzchen keimt,

wird groß und blüht,

genährt von Gott –

in Rückschlägen Geborgenheit.

(15)

Manchmal fühle ich mich wie ein Löwenzahnschirmchen:

zart und doch voller Kraft,

vom Wind getrieben und doch hoffnungsvoll,

gefallen und doch wurzelnd, blühend, schön.

Mein Gott, Zartheit und Kraft,

mein Gott, Wind, der mich trägt,

mein Gott, Erde, die mich empfängt –

um neu zu wurzeln: blühend, schön.

Mein Gott, manchmal fühle ich mich schon hier,

geborgen in Dir.

(16)

Ich wünsche Segen denen, die unter Gott leiden, sehr leiden,

denn sie sollen getröstet werden.

Ich wünsche Segen denen, die an der Gerechtigkeit Gottes verzweifeln,

sie sollen Gottes Liebe sehen.

Ich wünsche Segen denen, die von Gott verletzt wurden,

sie werden Gottes Kraft spüren.

Gott, verborgen in einem Kokon aus Finsternis,

wird ausbrechen als Dich bergendes Licht.