Meine Gedichte sind weniger abstrakt. Das hängt damit zusammen, dass ich mit den Worten nicht das Denken anregen möchte, sondern versuche, meine Emotion so in Worte zu verpacken, dass sie auch im Leser etwas zum Schwingen bringen. Wenn ich sage: "Ich habe ein wunderschönes Abendrot gesehen!" - dann werden im Hörer/Leser Bilder hervorgerufen, Bilder von selbst gesehenem Abendrot. Man kann dann sagen: Das kenn ich - man kann dann aber auch emotional dieses Abendrot wieder erleben. Und wenn man etwas selbst nicht erlebt hat, dann können - das ist zumindest meine Absicht - Worte, dürre, wenige, aber treffende Worte vielleicht eine emotionale Wirkung hervorrufen. Manchmal auch dadurch, dass sie überhaupt nicht zusammenpassen: zum Beispiel 259: Wattebausche passen nicht zum Meer und nicht zu Erhabenheit. Aber vielleicht kann die Kombination ein Gefühl hervorrufen. Es wäre schön, wenn es dann und wann gelingen könnte. Es sind vielfach Spielereien mit Worte - eine Hommage an die Leichtigkeit. (Über Sinn und Unsinn des genannten Gedichtchens kann man viel sagen. Spannend finde ich selbst: Welche unpassenden Bilder man auch verwendet - durch die Erfahrung werden die Bilder einfach zu einem angenehmen Sommerhimmel uminterpretiert...)

 

Ich wollte immer malen.

 

Und weil ich es nicht kann,

 

versuch ich es mit Worten.

 

*

 

Gedicht 285 (13.12.11)

 

Wir stehen da mit leeren Händen, nackt und bloß,

ausgeliefert jedem Windhauch, jeder Welle, jedem Gedanken, jeder Leere.

Wer in seinem Lebensboot so steht oder kauert – mit Nichts in Händen –

kann sich hinein gleiten lassen in die Hände Gottes, des allmächtigen Vaters,

sie sind der Hafen der Ruhe, der Hafen warmen Lebens, sie allein – in Ewigkeit.

*

 

Gedicht 284 (2.12.2011)

 

Mit Tränentropfen

und roter Nase taucht sie

in die Menge ein.

*

 

Gedicht 283

 

 

Im Luftzug des Schnellzuges

Wirbeln die Wörter davon.

Willenlose Buchstabenfetzen.

*

 

Gedicht 282

 

 

Unterführung.

Ausstellung von Liebesphantasien

und ausgebrochener Gedanken.

*

 

Gedicht 281 (20.11.2011)

 

Wir verstehen Auferstehung nicht.

 

Wir verstehen Tod nicht.

 

Wir verstehen Leben nicht.

 

Wie geht das?

 

Tote Materie atmet, hat Geist,

 

hat Schmerz und Liebe.

 

Wie geht das?

 

*

 

Gedicht 280 (20.11.2011)

 

Schwarzer Vogel

fliegt in Herbstbaum

bunte Blätter

fallen flirrend

zu den Schwestern.

*

 

Als lichtes Nebelkleid

legt sich der Hauch der Vergänglichkeit

über Gras und Blatt.

 

*

 

Gedicht 278 (29.10.2011)

 

Freundinnen und Freunde,

überlasst den Gewalttätern nicht das Feld.

Freilich, es ist bequemer,

man eckt nicht an,

man kann sich freundlich zeigen

und über allem erhaben,

tolerant, sanft und edel,

man kann besser schlafen

- noch.

 

 

Freundinnen, Freunde,

überlasst ihnen nichts.

Nein,

um Euch ist mir Leid,

Freunde, Freundinnen.

 

Gedicht 277 (16.10.2011)

 

Das verblühte Sonnenblumenfeld -

eine Trauergemeinde.

Köpfe hängen, hängen, hängen schwarz.

Eine hebt strahlend ihren Kopf.

Noch.

 

*

Gedicht 276 (9.10.2011)

 

Die Äpfel hängen

in den langen Schatten

des Spätsommers.

*

 

Gedicht 275

 

Mit langen Herbstschatten

pflügt der Bauer den Acker.

Braune Schollen

glänzen im klaren Abendlicht.

 

(Eine Frage: Welches Bild entsteht vor Eurem inneren Auge? Pferd? Nein, es war ein riesiger Traktor.)

 

*

 

Gedicht 274 (1.10.2011)

 

Sonne vertreibt das Lampenlicht,

Menschen mögen Sommersonne nicht.

Licht vertreibt die Sonne

Hand in Hand mit dem Rollo.

Sonne rächt sich und bleibt fort.

Monat um Monat im Winter.

*

 

Gedicht 273

 

 

Ein Lächeln huscht

über ihr Gesicht.

Warum?

Ihre Seele weiß es.

*

 

Gedicht 272 (25.9.2011)

 

Abgerissene Sommerblätter,

Völker Afrikas,

zerfetzt, zerrieben, zertrieben

von Mordbuben.

*

Gedicht 271

 

Tanzt, Mücken, tanzt, tanzt,

der Sommer ist kurz und klamm.

Tanzt den Liebestanz.

*

 

Gedicht 270 (17.5.2011)

 

Die Kürbisse

tranken die Farben des Sommergartens

und verströmen sie nun im Raum.

*

 

Gedicht 269 (9.9.2011)

 

Mit silbernen Fäden

spinnen Spinnen den Sommer ein,

trotz Flugkünsten

können die Schwalben ihn nicht befrein.

Aus Sehnsucht nach Freiheit

lassen sie ihn, munter schwatzend, allein.

 

*

Gedicht 268 (2.9.2011)

 

Das Liebesspiel

unter dem großen,

tiefen Sternen-All.

Aber die Liebe,

aber die Liebe

ist größer,

ist tiefer.

 

*

Gedicht 267 (27.8.2011)

 

Nachruf 4

Immer war er mit Dackel unterwegs.

Mit Scherzen auf den Lippen –

wo sind sie nun?

Er – er ist daheim.

 

*

Nachruf 3

Sie rief an,

zur Zeit und zur Unzeit,

stundenlang.

Nur als sie Hilfe brauchte nicht.

Mit wem redet sie jetzt?

 

.

Gedicht 266 (24.8.2011)

 

Missverständnis

 

Mip, mip

machte das Mäuschen

und verstummte

zwischen den Zähnen

der Katz.

 

Zu meinen Füßen liegt es nun,

das kleine graue Geschenk

von der mich mögenden Katz.

.

 

Gedicht 265 (14.8.2011)

 

Zerfetzt fliehen

Wolken der Nacht

vor der gleißenden

goldenen Sonne.

.

 

Gedicht 264 (6.8.2011)

 

Was für ein Morgen!

Sonnenstrahlen, Wind und Grün

spielen in den Weinblättern.

Was für ein Abend!

Kerzenschein, Glas und Rot

spielen mit dem Wein.

*

 

Gedichte 263 (31.7.2011)

 

Gott ist Raum.

Wo ist er?

Gott ist Zeit.

Er vergeht.

Gott ist Bewegung:

Er weht wo er will

und drängt zur Liebe.

.

 

Gedicht 262 (31.7.2011)

 

Ich liebe den Sommer.

Mit heißem Herzen

schaut man Frau.

Mit warmen Füßen

geht man zu Bett.

 

.

Gedicht 261 (17.7.2011)

 

Bin ich mein Körper?

Bin ich in ihm?

… zu Hause?

… fremd, ganz fremd?

In ihm,

mit ihm eins,

auf dem Weg.

Kleine Dinge tun

mit großer Liebe.

*

 

Gedicht 260 (9.7.2011)

 

Gold´ne Flecken hoch

am Himmel. Schwarze Massen

wälzen schwer heran.

*

 

Gedicht 259

 

Wattebausche segeln

am blauen Himmelsmeer dahin.

In erhabener Stille.

 

*

Gedicht 258 (3.7.2011)

 

Gott bahnt sich zu uns seinen Weg.

Mit jedem Wort, das er zu uns spricht,

bahnt er in uns ein Weg in Licht.

Es ist unscheinbar und ganz klein -

im Leiden wird es wie verschwunden sein.

Gott bahnt sich zu uns mühsam seinen Weg.

.

 

Gedicht 257 (25.6.2011)

 

„Heute sag ich dir das Beste meiner Gedichte

und widme es meiner freundlichen Nichte.“

… „Und wann sagst du mir das Gedicht?“

„Hörtest du es nicht?

Heute sag ich dir das Beste meiner Gedichte

und widme es meiner freundlichen Nichte.“

 

*

 

Gedicht 256

 

Was war der Himmel

so klar und blau, nun ist

er trüb, ach, so grau.

 

Was war der Himmel

so trüb, so grau, nun ist er

klar und – wow – so blau.

*

 

Gedicht 255 (18.6.2011)

 

Schreck

Ihr Amselkinder

macht nicht so´n Geschrei, das lockt

nur Feinde herbei.

 

*

 

Gedicht 254

 

Der Traum dringt durch die Wände,

rührt Herz, Hirn, Hände,

er ist mir ganz nah,

weil er in meinem Innern war.

 

Jesus dringt durch die Wände,

erfüllt Herz, Hirn und Hände,

er ist mir ganz nah,

weil er in meiner Seele war.

 

Gedicht 253 (11.6.2011)

 

Die Amselkinder

lauschen im Kuschelnest auf

Papas Abendsang.

*

 

Gedicht 252 (10.6.2011)

 

Im Rosenblätterregen

nimmt sie ihr Frühstück ein.

Sie bittet um den Tagessegen,

mit den zwitschernden Vögelein.

Die Morgensonne die ihr lachet,

die heißt Herr Jesus Christ,

denn dieser ist´s der machet,

dass ihr Herz jubelnd fröhlich ist.

.

 

Gedicht 251 (4.6.2011)

 

Straßenkaffee

 

Getrockneter Lippenrand schmückt die Tasse,

befleckt ist das Tuch von Kaffee und Kindereis,

wacklig der Tisch, Pappdeckel befreit,

abgehetzt die Kellnerin im engen Schuh.

 

Fröhliche Menschen lachen vorbei,

bunte Kleidung umtanzt Sommerhaut.

Fremde – nie mehr seh ich sie wieder.

Sie nehmen Platz in meinem Herzen.

*

Gedicht 250 (28.5.2011)

 

Die Tiere der Tiefe

tauchen auf in der Nacht,

drehen ein paar Runden

im erschrockenen Hirn.

*

 

Gedicht 249 (21.5.2011)

 

Das Leben

ist eine einzige Party

sagte der Zugedröhnte

und ersoff in den Fluten

des Lebens.

Lieber so,

sagte der Kumpel,

als bei vollem Bewusstsein.

Lieber so.

*

 

Gedicht 248

 

Am Morgen sah ich einen Falken

wie er stolz auf seiner Warte sitzt.

Am Abend sah ich diesen Falken

auf die Straße aufgespritzt.

*

 

Gedicht 247 (14.5.2011)

 

In warmer Frühlingsnacht

unterm Sternenhimmel,

umhüllt vom Fliederduft.

Und Du? Du bist so fern!

.

 

Gedicht 246 (7.5.2011)

 

Freunde,

glaubt nicht an die Raupe,

die zum Schmetterling mutiert,

glaubt nicht an den kahlen Zweig,

der zur Frühlingsblüte wird.

Der Schlaf ist der Bruder des Todes:

Am Morgen steht Jesus um uns

und sagt liebevoll: Kind, steh auf!

.

 

Gedicht 245 (30.4.2011)

 

Hommage an die Könnerinnen

 

Ich putzte die Fenster mit aller Kunst,

doch oh grauslichster Graus,

am nächsten Morgen in der Sonne,

sahen sie schlimmer als vorher aus.

 

*

Gedicht 244 (15.4.2011)

 

Die dominanten Winterraben

haben öffentlich nichts mehr zu sagen.

 

Die Frühlingsvögelein

zwitschern sich in die Herzen hinein.

.

 

Gedicht 243

 

Passion 4

Juden und Heiden verfolgten Jesus.

Heiden verfolgten sein Volk.

Jesus wurde verraten.

Juden wurden verraten.

Jesus wurde verhaftet.

Juden wurden verhaftet.

Jesus wurde gedemütigt.

Juden wurden gedemütigt.

Jesus wurde gefoltert.

Juden wurden gefoltert.

Jesus wurde ermordet.

Juden wurden ermordet.

Jesus litt in Erinnerung

der Befreiung aus dem Sklavenland.

Juden litten in Erinnerung

der Befreiung von dem Sünden- und Todesband.

Jesus weint über sein Volk.

Jesus weint über seine Heiden.

 

 

.

Gedicht 242 (9.4.2011)

 

Gott in sich selbst suchen.

Gott im Nächsten finden.

Sich von Gott finden lassen.

Ehre sei dem Vater.

Ehre sei dem Sohn.

Ehre sei dem Heiligen Geist.

*

Gedicht 241

 

Passion 3

Herr Jesus Christus, wir sehen dein zerschundenes Gesicht

und sehen in ihm die schmerzverzerrten Gesichter der Menschen.

Herr Jesus Christus, wir sehen die tiefe Angst in deiner Seele,

und sehen in ihr, die große Angst, die uns Menschen anficht.

Herr Jesus Christus, wir sehen in deinem Schmerz, in deiner Angst die große Liebe.

und sehen in ihr unseren Schmerz, unsere Angst und Hoffnungslosigkeit geborgen.

 

Herr Jesus Christus, wir sehen in deinen Augen die große Liebe,

Herr Jesus Christus, wir spüren in deinen Armen die tragende Kraft,

wir bitten dich,

trage auch uns durch die Nächte des Lebens, durch die Finsternis der Welt,

richte uns auf, wenn wir auf dem Lebensweg schmerzvoll und verängstigt verharren.

Wir danken dir. Wir danken dir. Amen.

*

 

Gedicht 240 (3.4.2011)

 

Frühling

Früh am Morgen Haus verlassen -

eingetaucht in Gesang.

 

.

Gedicht 239 (3.4.2011)

 

Passion 2

Sehen können die Menschen in Jesus Christus am Kreuz,

dass sie leben können in Ewigkeit,

gereinigt, befreit, geliebt, bewahrt.

 

Hören können die Menschen von Jesus Christus am Kreuz,

dass sie leben können in Gottes Zeit,

gereinigt, befreit, geliebt, bewahrt.

 

Spüren können wir Menschen die Hoffnung am Kreuz,

geworfen in die Welt der Hoffnungslosigkeit leben wir,

gereinigt, befreit, bewahrt, getragen.

 

Unser Jesus, wir denken an deine Liebe am Kreuz,

geborgen in deiner Liebe leben wir,

gereinigt, befreit, bewahrt – unglaublich.

.

 

Gedicht 238 (26.3.2011)

 

Passion 1

Das Lamm Gottes gerissen von Wölfen.

Das Lamm Gottes gerissen von Wölfen,

es ist bei mir, unter den Wölfen.

 

Jesus fürchtet sich vor Erniedrigung und Schmerz.

Jesus fürchtet sich vor Erniedrigung und Schmerz,

um mir nahe zu sein in meiner Erniedrigung, meinem Schmerz.

 

Jesus schreit am Kreuz: Warum, mein Gott.

Jesus schreit am Kreuz: Warum, mein Gott,

in seinem Schrei birgt sich mein Warum.

 

Jesus, der Christus, stirbt am Kreuz den Tod.

Jesus, der Christus, stirbt am Kreuz den Tod,

wird mich umhüllen und zum Leben führ´n.

.

 

Gedicht 237

 

Frühlingssingsang

Wunderbar, mein Gott, es ist Frühling!

Vögel zwitschern und pfeifen,

von Dächern und von Zweigen.

Bienen summen um gelbende Kätzchen,

Büsche blühen,

Bäume grünen,

Eichhörnchen machen Mätzchen.

Warmer Hauch umschmeichelt die Haut,

die strahlende Luft ist leicht verblaut.

Wunderbar, mein Gott, es ist Frühling!

.

 

Gedicht 236 (19.3.2011)

 

Das Glück,

das Glück

genießen zu können,

wenn es auch nur

einen Tag lang währt,

einen kurzlang Augenblick

vielleicht,

gestreift vom Glück.

.

 

Gedicht 235

 

Unglück

 

Glück

ist nur

ganz

genießbar,

wenn

Glück

Glück streift.

.

 

Gedicht 234 (5.3.2011)

 

Nur

Wellenplätschern

Möwenrufen,

Wind

im Ohr -

und dein Atem.

Erinnerung.

 

.

Gedicht 233 (27.2.2011)

 

Strahlende Sonne

verfinstert das Gesicht und

erleuchtet das Herz.

.

Gedicht 232

 

Behutsam nahmst du meine Gedanken,

entführtest sie zu dir.

Gestärkt und fröhlich kamen sie zurück.

.

 

Gedicht 231 (20.2.2011)

 

Einen Augen-Blick lang

schaut Gott uns an.

Wie ein Lufthauch nur berührt

uns Gottes Nähe.

Er erhebt uns aus der Mattheit,

damit wir stehen -

wir können gehen.

 

.

Gedicht 230 (12.2.2011)

 

Das Frühlingswetter ist nass und kalt,

doch muntre Vögel singen schon im Wald,

im Garten die weißen Glöckchen klingen -

nein, es sind die zarten Elfen, sie singen.

Sie singen eine sonnenreine Melodie -

sehr gut kennst du sie:

Das Frühlingswetter ist nass und kalt,

doch muntre Vögel singen schon im Wald,

im Garten die weißen Glöckchen klingen -

nein, es sind die zarten Elfen, sie singen.

Sie singen eine sonnenreine Melodie –

sehr gut kennst du sie:

Das Frühlingswetter ist…

.

 

Gedicht 229 (5.2.2011)

 

Blinzeln,

Küsschen,

streicheln –

ich, gespürt von dir.

Wort,

Name,

Gedanke –

ich in dir.

.

 

Gedicht 228 (5.2.2011)

Rolläden sperren

die Nacht aus. Die Nacht kauert

im Seelenherzen.

.

 

Gedicht 227 (30.1.2011)

 

Sie liebe Tanzen.

Ballkönigin

sei sie gewesen beim Dorftanz,

früher,

die 89jährige.

Heute

tanze sie in der Küche,

allein.

Gott liebe Tanz.

.

 

Gedicht 226 (22.1.2011)

 

Entfernt wurde der Weihnachtsbaum,

ein leichter Duft steht noch im Raum.

Das mit dem Christkind war schon lange her.

An dieses Kind denkt keiner mehr.

Ein leichter Duft durchzieht uns auch im neuen Jahr,

weil Christ noch ist – nicht einmal war.

.

 

Gedicht 225 (15.1.2011)

 

Die Bäume ziehn ihr

Schneekleid aus. Sie lassen sich

von Strahlen streicheln.

.

 

Gedicht 224

 

Mancher ist zornig

gegen den andern, weil er

seine Träume lebt.

.

 

Gedicht 223 (1.1.2011)

 

Das alte Jahr

liegt mit gerupften Flügeln da.

Ein paar Federn glänzen noch

und doch…

 

Das neue Jahr,

ist dir das klar?,

putzt schon ziemlich aufgebracht

seine bunte Flügelpracht.

 

Und wir nicht minder aufgeregt

schauen ängstlich, unentwegt,

ob dieses Jahres Federkleid

hält das ersehnte Glück bereit.

 

Ob eine Glück- ob Trauerfeder fällt,

Gott das Jahr in Händen hält.

Aus Gottes Händen nehmen mag

- ich jeden Tag.

 

Gedicht 309 (18.11.2012)

 

Kahl der Baum,

verweist das Nest,

hoffnungslos,

kalt und nass.

Kein Ahnen.

Kein Hoffen.

Doch kommt noch was,

die Zukunft ist offen.

Wir lassen es uns sagen.

Darum, nur darum können wir es wagen.

Weil ER es ist, der zu uns spricht,

verzag ich nicht, verzagst du nicht.

 

*

 

 

Gedicht 308 (8.11.2012)

 

Woher das Leben kommt auf Erden?

Keiner weiß woher.

Woher das Leben kommt nach Sterben?

Keiner weiß woher.

Das Wissen ist klein.

Gott ist groß,

und nimmt Wissen und Unwissen in sich hinein.

*

 

Gedicht 307 (20.9.2012)

 

Herbstfarben einsaugen:

Gold der Sonnenblume,

Dahlienrot,

das Bunt der Blätter,

Essigbaumrot,

bevor die Käte kommt

und der Anblick des Feuerdorns

nicht mehr wärmt.

 

*

Gedicht 306 (15.9.2012)

 

Sonnenblumen blühen jetzt.

Letzte leuchtende Nahrung für Hummel, Biene, Schmetterling,

und Wintervögel dann - picken heraus die Samen,

Die Schwalben ziehen schwatzend fort.

Die Sonne auf der Erde leuchtet ein Ade.

*

 

Gedicht 305 (9.9.2012)

 

Wanderung.

Vollkommene dumpfe Stille

lag auf dem schmalen Weg.

Kein Vogel.

Kein Insekt.

Kein Wort.

Das Grün lebte

in 1000 Nuancen.

*

 

Gedicht 304 (18.8.2012)

 

Kirschbaum,

hat die Blüte im Frühjahr das Auge

und die Bienen beglückt,

hat die Frucht im Frühsommer den Magen erfreut,

die Stare, die Maden, den Nistvogel,

spendet im Hochsommer Baumesschatten.

Im Laubhaufen sucht im Herbst der Igel seine Ruhe,

verkriechen sich Schnecken, Spinnen, Käfer.

*

 

Gedicht 303 (11.8.2012)

 

Umgaukelt von bunten Schmetterlingen,

umweht vom warmen Duft des Sommers,

streifen mich Eisflügel, dann und wann.

Sie schmelzen im strahlenden Licht der Liebe.

*

 

Gedicht 302 (5.8.2012)

 

Je mehr ich darüber nachsinne,

das Grün der Bäume – das Chlorophyll,

die Farbenpracht der Blüten – die Wellen des Lichts,

das Ziehen der Wolken – den Wasserkreislauf,

das Strahlen der Sonne – die lebendigen Galaxien,

die vielfältigsten Steine – Mineralien durchglüht vom Feuer der Erde,

den Menschen – mit Hoffnungen, Gefühlen, Ängsten, Enttäuschenungen, Schmerz, Sehnsucht…

desto weiter wird die Seele,

desto dankbarer der Geist.

*

 

Gedicht 301 (29.7.2012)

 

Auch Stein lebt.

Aber er empfängt nicht,

aber er schenkt nicht.

Er ist auf seine Weise

rauh, hart, warm.

*

 

Gedicht 300 (1.7.2012)

 

Wie eine Sternschnuppe

zieht er leuchtend vorbei,

macht glücklich und verlöscht.

Erhoben ziehen wir

weiter.

 

*

 

Gedicht 299 (17.6.2012)

 

Abschied nehmen

Manchmal muss man Abschied nehmen vom Tod

und das Leben wie ein Sommerwehen in sich hereinlassen.

Manchmal muss man Abschied nehmen von den Krankheiten

und seiner Seele den bunten Gaukelflug des Schmetterlings gönnen.

Manchmal muss man Abschied nehmen von den Bildern der Zerstörung

und das Bild einer voll blühenden Rose in sich duften lassen.

Manchmal muss man Abschied nehmen von der Befürchtung, von der Angst

und die Freude wie einen strahlenden Sonnenball in sich groß werden lassen.

Tod und Krankheit, Zerstörung und Angst – abgeben.

Abgeben in die Hand des Großen Liebenden.

 

*

 

Gedicht 298 (3.6.2012)

 

Durch schnarchst. Wie schön. Es

kommt die Zeit, da werde ich

es sehr vermissen.

*

 

Gedicht 297 (27.5.2012)

 

Der Geist Gottes belebt Gottes Schöpfung.

Ohne Gottes Geist bliebe die Materie tot,

bliebe das Leben ohne Kraft und Schönheit,

wüssten wir nichts von Liebe, Freude

und von Gottes Willen.

 

Im Geist Jesu Christi leben: in Liebe, Freude,

Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue,

Besonnenheit und Selbstbeherrschung (Gal 5) -

leben in seiner Kraft, seiner Schönheit, Liebe und Freude

und Erkenntnis seines Willens.

*

 

Gedicht 296 (26.5.2012)

 

Während die Kollegen

den Feind ankeckern,

sitzt der Amselhahn

auf der Baumspitze

und singt.

*

 

Gedicht 295 (7.4.2012)

 

Der Herr ist auferstanden

in das jeweilige Jetzt der Liebe.

Er ist auferstanden

in der stärkenden Hand,

im umfangenden Arm,

in aufrichtenden Worten,

in liebenden Gedanken.

Der Herr ist auferstanden

in das jeweilige Jetzt der Liebe -

nicht nur.

*

 

Gedicht 294 (7.4.2012)

 

Auferstehung

Der Tod will Christ nicht haben,

die Erde gibt ihn frei.

Darum: Werdet ihr mich einst begraben,

ich bin dann schon längst nicht mehr dabei.

*

Gedicht 293 (1.4.2012)

 

Klagepsalm der Gegenwart

 

Die Aggressoren erlauben sich alles –

die Verteidiger dürfen nur brave Leutchen sein.

Wenn die Verteidiger mit ihren Worten oder Taten schärfer werden,

fallen die Aggressoren über sie her:

Ihr seid böse geworden,

ihr habt uns gekränkt,

ihr habt die falschen Verteidigungsmittel verwendet!

Das dürft ihr nicht!

Und der lauthalse Teil der Bevölkerung stimmt ein in die Klage der Aggressoren:

Eure Mittel waren unverhältnismäßig!

Eure Worte waren sarkastisch, abwertend!

Das muss man unterbinden!

Und die Mittel werden eingeschränkt und die Worte werden geahndet.

Die Angegriffenen werden den Aggressoren zum Fraß vorgeworfen.

Gott, wo bleibst du?

Unter den Stiefeln, Steinen und Stangen der Aggressoren,

unter den Worthülsen der Schreihälse.

Ein Dorn, der sich erhebt und zum blühenden Dornstrauch wird.

 *

 

Gedicht 292 (10.3.2012)

 

Ein Dichter dichtet so vor sich hin.

Da sagen die Leut:

Das macht ja keinen Sinn!

Da sagt der Dichter: Liebe Leut´, ich habe an Worten meine Freud!

 

*

 

Gedicht 291 (5.3.2012)

 

Zerreißendes Leiden und

flügelleichtes Federglück,

Menschenkind.

Im Kokon der Einsamkeit,

zerrissen das Gespinst und Gaukelflug,

zurück in die Buntheit erinnernder Sehnsuchtsräume.

*

 

Gedicht 290 (25.2.2012)

 

Der raffinierte Käfer

Ein Käfer sprang von einem Blatte.

Auf dem Boden lag keine weiche Matte.

Er brach sich dennoch kein Bein,

er konnte fliegen – ganz von allein.

*

 

Gedicht 289

 

Armer Baum – ganz traurig

Die Bäume trieben Blätter,

es war recht warmes Wetter.

Da kam der Frost herbei –

aus war es mit der Blätterei.

 

Armer Baum – ganz glücklich

Am Baume hingen Samen

bis die Vögel kamen.

Sie fraßen sie mit schrillem Schrei

und säten die Samen mit ihrem Brei.

 *

 

Gedicht 288 (18.2.2012)

 

Zaghaft weht ihr Lächeln

in sein Angesicht.

Ganz behutsam setzt es sich

in seinen Augenblick.

Ein Wimpernschlag nur -

und es zieht im Herzen

eine sacht geahnte Spur.

 

*

 

Gedicht 287 (11.2.2012)

 

Einmal nichts machen,

wirklich nichts machen,

nur schweigen in Gott,

dankbares Schweigen -

weit geöffneter Blütenkelch.

*

 

Gedicht 286 (14.1.2012)

 

Ewig im Jetzt

 

Funkelnder Sternenhimmel des Südens

mit betörendem Nachtduft:

Ewig im Jetzt.

 

Von Nachtgeistern umschwirrt:

Jetzt im Ewig.

 

Wärmender Lichthimmel

mit belebendem Morgentau:

Ewig im Jetzt.

 

Von Tauben umgurrt.

Jetzt im Ewig.