Das Ringen des Volkes um die Stellung der Völker (SJOT 11,1997)

 

In Texten des Alten Testaments finden wir Diskussionen über das Verhältnis des Volkes Israel zu den heidnischen Völkern. Diese Kontroverse ist nicht allein theologischer Natur, sondern vor allem soziologisch begründet. Weder Autoren/Redaktoren, die allein auf das Volk fixiert waren, noch diejenigen, die universal gedacht haben, waren fähig, angemessen mit "dem anderen" umzugehen. Der "normale" Umgang geschah im alltäglichen Leben. Die Diskussion zwischen Partikularisten und Universalisten ging in der frühen Kirche weiter.

 

 

Unter dem Feigenbaum sah ich dich (Joh 1,48). Die Bedeutung der Nathanaelperikope für die Gesamtrezeption des Johannesevangeliums (ThZ 54,1998)

 

Nathanael wird als »Israelit ohne Falsch« bezeichnet, um auch die anderen »Israeliten ohne Falsch« dazu einzuladen, den Weg dieses Israeliten zu gehen. D.h., dass die Nennung Nathanaels als Israelit auf der Ebene des Evangeliums um des Lesers willen ausgesprochen wird und nicht zur Hervorhebung Nathanaels im Gegensatz zu seinem Volk.

 

 

Freude als Grundzug der Theologie und Biographie des Paulus (AGAJU 44,1999)

 

Paulus spricht von Freude in allen wesentlichen Bereichen seiner Theologie (wie wir sie gegenwärtig einteilen): In Theologie, Christologie, Pneumatologie, Glaube, Eschatologie, Ekklesiologie, Ethik, im Zusammenhang der Verkündigung usw. Freude ist die Grundstimmung, die im Glauben und im Geist eingebettet liegt. Damit kann sie Glaubende auch im Leiden begleiten, sie im Leiden Gott gemäß halten. Sie ist der Motor für ethische Verhaltensweisen und nicht zuletzt die Grundstimmung, die die Gemeinde prägt. Die Freude ist da, weil Gott der Handelnde ist, nicht erst in Zukunft handeln wird, sondern an Christus gehandelt hat und gegenwärtig in den Gemeinden handelt. Die Gemeinden des Paulus sind, so Paulus, Beweis für das Handeln Gottes, also auch Grund der Freude. Damit wird deutlich, dass Freude im paulinischen Sinn nicht als affektiver Zustand gelten kann, denn sie ist eine von Gott selbst hervorgerufene Grundstimmung.

 

 

»Das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes« (Apokalypse des Johannes 15,3f.). Der Text und seine Bedeutung für die Johannes-Apokalypse. (ZNW 90,1999)

 

Das Lied bringt eine neue Perspektive in die Apokalypse. Die Völker werden durch das Gottesgericht nicht vernichtet, sondern Völker bleiben. Sie kommen, um Gott anzubeten. Das Lied zwingt Leser, trotz Betonung des Gerichtshandelns durch den Apokalyptiker, die Bezugnahme auf die Völker in 21,24 ernst zu nehmen. Das alles darum, weil es sich um das Lied des Lammes (Jesus Christus) handelt - und im Zentrum der Apokalypse zu finden ist. Durch die Verknüpfung »Mose und Lamm« wird typologisch gearbeitet und signalisiert, dass Völker Gott anbeten, weil durch das Lamm Satzungen offenbar wurden wie Mose dem Volk Gebote übergeben hat. Diese Satzungen gelten, und nicht die Satzungen der bedrohenden Umwelt, der gefährlichen Herrscher und Mehrheiten, weil der Pantokrator (Gott) sich durchsetzen wird.

 

 

Aspekte Biblischer Theologie dargestellt an der Verwendung von Psalm 16 in Apostelgeschichte 2 und 13 (Biblica 83,2002)

 

An der Rezeption von Ps 16 in Apg 2 werden verschiedene Aspekte biblischer Theologie erarbeitet: Der hebräische Text war für die Ausbildung christologischer Sätze genauso relevant wie die griechische Septuaginta. Mit der christlichen Rezeption der Texte wird das fortgesetzt, was mit den Texten unaufhörlich geschehen ist: Sie werden aufgrund der neuen Erfahrung mit dem Handeln Gottes in der jüdischen Geschichte übermalt. Aufgabe der Exegese ist es, diese Stufen der Bekenntnisbildung herauszuarbeiten, um Gottes Handeln in den jeweiligen geschichtlichen Situationen würdigen zu können. Im Alten Testament erkennen Christen das Handeln Gottes. Das Handeln Gottes ist jedoch nicht im Alten Testament und im Neuen Testament eingeschlossen, sondern wird durch Rezipienten aktualisiert. Damit wird der Geltungsanspruch der Texte bestätigt, und sie werden in der jeweiligen Gegenwart verifizierbar. Die Frage, ob das Alte Testament aus dem Neuen Testament oder umgekehrt zu verstehen ist, ist unangemessen, denn aus der Perspektive der Textrezeption gilt: Das Lesen eines Textes beeinflusst die Interpretation eines anderen. Die christlichen Texte erfordern mit ihrer Rezeption des Alten Testaments ein Festhalten an ihm. Dennoch ist die Zusammengehörigkeit von Altem Testament und Neuem Testament spannungsvoll. Sie ist jedoch kein Thema des Verhältnisses von Juden und Christen, sondern eines der Christologie. Dieser Aufsatz ist aus einem Vortrag vor Neutestamentlern entstanden - und hat so manchen "gepiekst".

 

 

Gebetserhörung (MThZ  3,2002)

 

In der Antike geäußerte Fragen und gegebene Antworten im Kontext von Gebetserhörungen werden bis in die Gegenwart laut. Während Jesus neue Intentionen vertritt, finden sich in der frühchristlichen Gemeinde häufig traditionelle Ansichten. Für Jesus ist Erhörung in die Gottesbeziehung integriert. Die Rede von der Gebetserhörung ist Bekenntnis aus dieser Beziehung heraus und kann nicht logisch ergründet werden. Wie jede Beziehung ist sie abhängig vom konkreten Lebensbezug. Kurz gesagt: Gebetserhörung ist nicht Maßstab für die Existenz Gottes - das Leben mit Gott lässt Gebetserhörung ganz neu bewerten.

 

 

Sensationen? Neue Bücher über Jesus (Lernort Gemeinde. Zeitschrift für theologische Praxis 20,2002)

 

Dieser Aufsatz bietet einen Überblick über den unübersichtlichen Markt an Büchern über Jesus und bietet Kriterien für die Bewertung solcher populären Bücher.

 

Die um Größe streitenden Jünger und das Kind (Mk 9,33-37). Auslegung von Exegeten und von Kindern der 3. Klasse der Grund- und Hauptschule Nauheim (in: G. Büttner; M. Schreiner [Hgs.]: Biblische Geschichten im Blick der Kinder, Stuttgart 2005)

 

Die Geschichte von der »Kindersegnung« (Mk 10,13-16) ist kaum noch von einer süßlichen Interpretation zu befreien: Sie stellt Jesus als den sanften Heiland, den Freund der Kinder dar, und Erwachsene finden sich in den gesegneten Kindern wieder. Diese Geschichte verdrängt den »Kindererhebungstext« (Mk 9,33-37). Wenn dieser Text in die hinter ihm stehende konkrete Lebenssituation eingebettet wird, dann kann er auch die Schwestergeschichte aus der Süßlichkeit befreien. Das zeigen uns auch Kinder. Sie lehren uns, die Geschichte konkret aus ihrer Zeit heraus zu lesen: Das Kind ist eines, das in Not lebt und nun angenommen wird. Darin gehen sie über die übliche exegetische Sichtweise hinaus, die das Kind als eines einordnet, das der Gemeinde zugehört. Gleichzeitig lehren sie, dass diese Geschichte in die Gegenwart weist, indem sie sich wie dieses Kind angenommen sehen. Diese Sichtweise geht über historisch-kritisches Denken, das allein um die Textsituation kreist, hinaus. Weiterhin zeigen sie, dass sie sich trotz dieses Wissens von der Geschichte emanzipieren, indem sie nicht stark werden durch Christus, sondern aus sich selbst heraus cool usw. sein wollen. Damit spiegeln sie die Jünger wider, die trotz Hören der Lehre Jesu selbst die Größten sein wollen.

 

Die Parabeltheorie Markus 4,10-12 aus der Rezeptionsperspektive (fertiggestellt)

 

In the tradition of Marc the parable theory conveys different messages: At first, with the collection it denied forgiveness to opponents; but, being put into a different context, it distanced the church from those outside the church. As Is. 6 is quoted it needs to be interpreted according to this prophetic text. Yet, early recipients did not interpret it according to the masoretic text or the Septuagint but according to the tradition of the Targum. From this point of view, the statement about the hardening of hearts, which happened when the parables were told, did not have the function to emphasize the rejection of the people of Israel. It opens up a perspective for the time after the Judeo-Roman war. With the aid of the parable theory followers of Jesus Christ can understand why people of the nation (of Israel) are not experiencing a change of heart yet but will do so in the future.

 

Die Bedeutung der Maria Magdalena für die Bibeldidaktik (fertiggestellt)

 

Gegenwärtige Bücher über Maria und Bilder von Künstlern aus der Kirchengeschichte werden vorgestellt. Danach wird die Frage untersucht: Wie kann anhand der biblischen Texte, die von Maria Magdalena sprechen, ein adäquates Bild entworfen werden, ohne neue zu Herzen gehende Phantasie-Magdalenas gebären zu lassen. Das gilt auch für biblische Texte insgesamt: Wie können sie mit der Gegenwart verbunden werden ohne sie zu verbiegen?