Gedichte gehören zu meiner persönlichen Geschichte. Ein paar der Gedichte - solche, die die Natur betreffen - stelle ich hier vor. Sie gehören zu mir - und sind auch Vorläufer meiner wissenschaftlichen Werke: Durch sie bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Autoren versuchen, Menschen mit Hilfe von Sprache emotional zu erregen. Sie wollen weitere Schichten im Menschen ansprechen als die der Ratio, der Logik. Und sie tun es zwangsläufig. Man muss einmal bedenken, welche Emotionen sogar Bücher hervorrufen, die versuchen, dem Geheimnis der Sprache mit Hilfe von Symbolen und Zahlen auf die Spur zu kommen: Manche würden diese in die Ecke werfen - davor schützt nur die Ehrfurcht vor dem Buch als solchem -, manche fangen an zu gähnen oder unverständig zu kichern, manchen schlägt das Herz vor Aufregung bis zum Hals. Nicht nur Gedichte können solche Reaktionen hervorrufen oder Krimis ...
Meine Intention: Die Momentaufnahme blitzt in die Seele, ins Herz - oder wie auch immer.
(Weitere Gedichte werden unter http://literarisches.wolfgangfenske.de eingestellt.)
Seit tausenden von Jahren
streicht die Leopardin durch die Steppe,
pirscht geschmeidig gegen den Wind,
der das Rispenmeer in weichen Wogen wiegt,
auf ruhig weidende Antilopen zu.
Kitze bedrängen ihre Mütter –
sie duckt, spannt, rennt, alles stiebt, schaut, wittert,
nur eines nicht mehr, ein kleines,
gepackt vom kräftigen Maul,
geschleift durchs harte Gras.
Seit tausenden von Jahren.
Sommer legt sein gelbes Tuch
flirrend übers weite Land.
Dieser Sommer ist ein Fluch,
alles ist verbrannt.
Welk das Grün, dürr die Rübe,
in den Beeren kocht das bisschen Saft.
Alles schreit nach Regentrübe,
selbst der Schrei ist ohne Kraft.
Vögel hörte lang schon keiner mehr,
abgemagert kriechen Mäuse.
Nur das schwarze Ameisenheer,
veranstaltet kribbelkrabbel Tanzaufläufe.
Vor Erwartung schon ganz starr
harren Schoten der Lupine
auf das sanfte Sommerwehn.
Hinter der Johannisstaude
raschelt´s leis hervor:
Munter knistern Samenkugeln
durch Geflimmer in das Gras.
Zankend brechen freche Spatzen
schützende Kammern der Mohnhäuschen auf.
Wie dem auch sei:
Sonne brütet bald
aus Spatzen Pflänzchen aus.
Helden des Feldes.
Die alte Erntemaschine
an der Erde festgezurrt
vom wilden Hopfen
und der rosaweißen Winde.
Rispen drängeln sich
mutig zwischen die Räder.
Ein kleines Efeu hilft.
Die graugeschleckte Katze
döst in der Mittagssonne.
Leicht bewegt sie ihre Tatze,
das ganze Tier ist Wonne.
Müde blickt sie auf.
fixiert ganz kurz nur deinen Blick.
Du bist die Maus,
gleich macht es klick,
und du bist festgenommen,
die Lider schließen sich,
es gibt gar kein Entkommen,
sie nimmt dich in den Magen mit.
Dein Leben hängt
an einem seidenen Faden.
Das Bodenlose grinst
dir dunkel herauf.
Du zitterst,
du tastest
nach Grund.
Spinnchen, hier,
nimm meine Hand.
Zur "Nacht der Sinne" in Groß-Gerau am 12.9.2008 haben die Schauspielerin Ute Ehrenfels und ich Gedichte von mir vorgelesen - und zwar dialogisch. Das war eine ganz neue Erfahrung, und ich muss sagen: Es hat sich für mich gelohnt - es hat mir Spaß gemacht.
Die Nacht der Sinne am 4.9.2009 war nass und kalt. Gedichte versuchten sich angesichts der lauten Laute von Musikanten und Stadt zu behaupten. Da merkte man, wie zart Gedichte sind. Sie flatterten ein wenig und wurden dann sofort verschlungen.
Rückblick ...: Am 22.4.2009 um 19:00 Uhr haben die Schauspielerin Ute Ehrenfels und ich erneut Gedichte von mir dialogisch vorlesen - und das im Rahmen der Dichterlesung der Groß-Gerauer Volksbank - Am Sandböhl 5-15 in Groß-Gerau - bei der jeweils ein Dichter der Region und ein national bekannter Dichter lesen. Am 22.4. war ich der Dichter aus der Region - der national bekannte Lyriker war Guntram Vesper. -- Das war ein gelungener Abend. Ich schätze, dass 80-100 Gäste anwesend waren - die Stimmung war sehr harmonisch. Dieser Abend machte Lust auf mehr. Im Rüsselsheimer Echo vom 29.4.2009 (Daniel Klose) wurden meine Gedichte aufgrund dieses Abends mit Mörike und Droste-Hülshoff verglichen. Das trage ich nun mit stolzgeschwellter Brust vor mir her. Stehe ich jedoch auf Drostes Turm, kommen mir leichte Zweifel. Dass Mörikes Frühlingsband manchmal mit seinen Düften durch mein Hirn zieht, kann ich freilich nicht leugnen.