Weihnachten 2010 (Gemeindebrief-Beitrag)
Gott überwindet Grenzen
Wir Menschen lieben Grenzen, wir lieben Zäune.
Wir bauen Zäune um unsere Gärten,
wir bauen Zäune um uns selbst,
wir bauen Zäune um unsere Familie,
wir bauen Zäune um unsere Clique.
Wir bauen Zäune um unser Volk,
wir bauen Zäune um unsere Religion,
wir bauen Zäune um unseren Unglauben.
Wir hegen und pflegen unsere Zäune, bessern sie unentwegt aus.
Gott liebt keine Zäune, keine Grenzen:
Gott zerreißt die Zäune und Grenzen, die wir Menschen zwischen Gott und anderen Menschen aufgebaut haben:
Gott wird in Jesus Christus Mensch.
Gott zerreißt die Grenze, die wir zwischen den Völkern errichten:
Weihnachten wird überall gefeiert: in Europa, Amerika, Afrika, Asien, Australien.
Gott kommt in Jesus Christus zur Welt.
Gott zerreißt die Grenzen zwischen Reichen und Armen, Gesunden und Kranken, Alten und Jungen, schlauen Menschen und Menschen mit überschaubarer Intelligenz, Angesehenen und Übersehenen:
Gott zeigt in Jesus Christus allen Menschen seine Liebe und ruft sie zur Mitarbeit.
Gott überwindet in Jesus Christus Grenzen – doch wir Menschen lassen uns davon nicht besonders beeindrucken. Wir lieben unsere Grenzen. Grenzen schenken Geborgenheit, man fühlt sich wohl bei Seinesgleichen. Doch Gott lässt sich nicht abhalten: Er baut Türen und Tore in unsere Zäune, damit es uns Menschen auf diese Weise leichter fallen soll, das Gewohnte zu verlassen. Die Türen und Tore heißen: Liebe – liebe Gott und deinen Nächsten wie die selbst. Wer es wagt, durch die Tür Gottes zu anderen hindurchzugehen, wer es wagt, andere zu lieben, auf sie zuzugehen, sie anzunehmen, der erfährt trotz vieler Enttäuschungen den Reichtum und die Freiheit Gottes:
der fühlt sich in der Welt zu Hause,
spürt in seiner Kraftlosigkeit und Müdigkeit Gottes Kraft,
kennt in der Friedlosigkeit den Frieden Gottes,
sieht in der Dunkelheit das Licht,
ahnt in der Einsamkeit die Geborgenheit von Gottes Armen,
weiß in seiner Angst: Gott schenkt dem aufgescheuchten Herzen Ruhe.
Die Lebensrätsel sind für ihn nicht gelöst – aber er kennt jemanden, der die Rätsel schon längst gelöst hat:
Gott in Jesus Christus.
Und darum kann er sich ihm vertrauensvoll hingeben.